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Perspektiven

von Julius Handl

Kurzfassung

Rektor Mustapha S. Mulacrum von der Universität Wien ist gezwungen zu handeln. Zu groß ist der Druck seiner klimabewussten Studierenden, als dass seitens der Universität keine Antwort auf die Reformvorhaben der Regierung folgen könnte. Steuern sind gekommen, Flugreisen nehmen graduell ab. Aus Gründen der Gerechtigkeit sollen die Studierenden nun „freiwillig“ auf ihre Reisen verzichten, andernfalls droht der Ausschluss. Doch für manche sind Flugreisen essentiell. Wer an verschiedenen Orten der Welt verwurzelt ist, verliert nicht die Möglichkeit zu reisen, sondern sein zu Hause. Für die in Wien lebende Kanadierin Amy Anderson ist das ein schreckliches Szenario. Monatelang hat sie protestiert, versucht die neuen Regeln der Universität zu verhindern, erfolglos. Will sie ihre Ausbildung fortsetzen, ist sie gezwungen in Wien zu bleiben. Dieses Problem kennt ihr Wiener Kollege Johann „Johnny“ Zollinger nicht. Das Unternehmen seiner Familie, Zollinger Stahl, wird seit Generationen von Wien aus geführt. Für ihn ist nicht nachvollziehbar, warum Amy nicht im Dienste der größeren Sache auf das Flugzeug verzichten will. Um ihn verstehen zu machen, nimmt die Aktivistin ihn mit zu ihrer Freundin Freddy Aboah in eine Spielhölle wo Geld für die hochpreisigen Flugtickets erspielt werden. Freddy erzählt die Geschichte vom Abend des 14. Juli. Amy und sie erspielten gemeinsam eine Unsumme von Geld, das gesamte Vermögen des Unternehmers William, der aus seiner Frustration über die Entwicklung der Welt einen mutigen Schritt ergreift: Er sagt „Nein“ und steigt aus, stemmt sich gegen das Rad, das die Welt zu zerquetschen droht. Mit dem Geld versuchen Aktivistinnen und Aktivisten um Amy und Freddy nun weitere Unternehmensvorstände „aus dem System zu kaufen“. Darunter sind auch Mariella Zollinger und ihr Mann, die Eltern von Johann Zollinger. Für ihn, der nie daran gedacht hätte, dass der wirtschaftliche Exit seiner Eltern Realität werden könnte, kommt die Nachricht als Schock. Obwohl er sich zu Amys radikalen Positionen hingezogen fühlt, überwältigt ihn das Gefühl, dass seine Identität als Sohn einer Unternehmerfamilie teilweise aufgelöst wird. Monate bevor Freddy die Geschichte erzählt, lernt Johnny Amy in einem Café kennen. Er kommt mit der Kellnerin ins Gespräch während eine Demonstration gegen die Reformen der Regierung vor der Türe vorbeizieht. Die Demonstration atet aus, die Polizei schreitet ein. Vor dem Hintergrund der Straßenschlacht diskutieren Amy und Johnny, die im Café festsitzen ihre Perspektiven auf die Ereignisse. Amy widerspricht Johnnys Idee, dass Flugzeuge prinzipiell schädlich seien. Sie sind Ausdruck einer Kultur des Maßlosen, die sie für eigentlich schädlich hält. Den Unwillen, menschliche Freiheit auf der Erde in „natürliche“ Schranken zu weisen. Die Demonstration wird von der Polizei zerschlagen und Normalität kehrt ein. Amy geht zurück an ihre Arbeit, Johnny verlässt das Café und fährt in den Wald.